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Der Initiativkreis Gedenken.Erinnern.Mahnen ist entsetzt von rassistischer Gewalttat am Tag des Gedenkens an Jorge Gomondai in Dresden

Sie war auf dem Weg, um Blumen zum Gedenken an ihren Freund Jorge Gomondai, der 1991 bei einer rassistischen Gewalttat sein Leben verlor, niederzulegen, – und wurde selbst Opfer rassistischer Gewalt: Eine 60-jährige Dresdnerin, gebürtige Mosambikanerin, wurde am Samstag, dem 6. April 2024, von einem Mann rassistisch beleidigt und ins Gesicht geschlagen; anschließend zerstörte er ihr Telefon. Die Frau war in den 1980er Jahren als Vertragsarbeiterin in die DDR gekommen und arbeitet seit vielen Jahren als Krankenschwester in unserer Stadt.

Wir als Mitglieder des Initiativkreises Gedenken.Erinnern.Mahnen sind entsetzt über den Vorfall. Wir engagieren uns seit Jahren für das Gedenken an Opfer rassistischer Gewalt in Dresden und dafür, dass die Dresdener Stadtgesellschaft den allgegenwärtigen Rassismus wahrnimmt und sich klar dagegen positioniert. Wir organisieren jährlich auch die Veranstaltung zum Gedenken an Jorge Gomondai. Rassistische Gewalt gehört in unserer Stadt leider nicht der Vergangenheit an, sondern ist alltägliche Realität vieler hier lebender Menschen. Wir teilen die Einschätzung der Betroffenen, dass offene Anfeindungen gegenüber nichtweißen Menschen sogar wieder zugenommen haben. Der Lokalpresse entnehmen wir, dass die Tochter des Opfers ihrer Mutter ans Herz legt, ihre Wahlheimat nach 40 Jahren zu verlassen, „weil ich Angst um die Sicherheit meiner Eltern habe.“

Die Tat eines Einzelnen ist daher für uns auch Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas, das von Hass und Hetze vergiftet wird und Einzelne „ermutigt“, rassistische Gedanken in die Tat umzusetzen. Wir solidarisieren uns mit der betroffenen Person und fordern eine klare, öffentliche Verurteilung der Tat – seitens der offiziellen Verteter*innen der Stadt, aber auch der Zivilgesellschaft. Unser Dank gilt den beiden Männern, welche den Täter bis zum Eintreffen der Polizei festhielten.

Dem Initiativkreis Gedenken.Erinnern.Mahnen gehören Menschen aus folgenden Organisationen sowie engagierte Einzelpersonen an: Der RAA Sachsen e.V., der Ausländerrat Dresden e.V. und der Afropa e.V.